Die Polizei hat gerade 94 Betrugs-Callcenter geschlossen - und das Drehbuch, das sie fand, ist genau das, das gerade bei Ihnen anruft
Vierhundertelf Durchsuchungen in einer Woche. Die ukrainische Nationalpolizei schloss gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst, der Generalstaatsanwaltschaft und der deutschen Polizei 94 betrügerische Callcenter und benannte offiziell 26 Personen als Verdächtige. Die Bestandsliste liest sich wie die eines kleinen Telekommunikationsunternehmens: 3.336 Computer, 1.346 Telefone, 5.238 SIM-Karten, 90 Bankkarten, Zugriff auf 20 Kryptowährungs-Wallets, 22 Fahrzeuge, rund 2 Millionen Dollar in bar plus 64.000 Euro und ein Kilogramm Bankgold. Vorläufige Schätzungen setzen die Opferverluste auf über 100 Millionen Dollar an, verteilt auf die Ukraine, Israel, Kasachstan, EU-Länder und Zentralasien.
Was sie tatsächlich verkauften, ist der aufschlussreiche Teil. Anrufer gaben sich als Bankmitarbeiter aus, die vor einer verdächtigen Transaktion warnten, die sofort geklärt werden müsse. Andere betrieben gefälschte Investmentmaklerbüros und Krypto-Handelsplattformen, oder überredeten Menschen dazu, Kredite aufzunehmen und Kartendaten vorzulesen. Manche führten Opfer durch die Installation von Fernzugriffssoftware, damit die „Bank" angeblich Dinge am Computer reparieren konnte. Einige Callcenter betrieben Rückgewinnungsbetrug - sie riefen Menschen an, die sie bereits ausgeraubt hatten, und boten gegen Gebühr an, das Geld zurückzuholen. Und manche kauften und verkauften Opferlisten an andere Banden.
Zwei Dinge daraus sollte man sich merken. Fernzugriff ist die klare Grenze: Keine echte Bank und kein echtes Microsoft wird jemals verlangen, ein Bildschirmfreigabe-Tool zu installieren. Kommt das zur Sprache, auflegen und die auf der Karte aufgedruckte Nummer wählen. Und einmal betrogen worden zu sein, setzt einen auf eine Liste, die weiterverkauft wird - genau deshalb klingt der Folgeanruf so gut informiert. Es ist kein Beweis, dass der Anrufer seriös ist, sondern ein Beweis, dass die eigenen Daten weiterverkauft wurden.
Hat sich jemand tatsächlich Zugang zum PC erschlichen, sucht Tendvanes Sicherheitsprüfung nach Fernzugriffs-Tools und anderen laufenden Programmen, die nie bewusst installiert wurden, damit ein schlechter Telefonanruf keine offene Hintertür zurücklässt.